Silke Bartsch – Gunhild Flöter

Malerei – Linolgravuren – Papierarbeiten

Räumliche Utopien, in denen klar umrissene, kräftige Farbformen und transparente Farbschichtungen, architektonische Fragmente, gewächsähnliche Gebilde und selten auch mal abstrahiert Figürliches aufeinandertreffen, um gemeinsam den Raum auszuloten, der ihnen auf der Leinwand zur Verfügung gestellt wurde: Silke Bartsch inszeniert in ihren großformatigen Bildern visionäre Begegnungen von Formen und Farben, die sich collagen-artig überlagern, gegenseitig durchdringen, eingrenzen, ineinander verzahnen und um die eigene Position zu kämpfen scheinen – bis sie sich schließlich aufeinander einlassen, Spannungen auflösen, sich zurückziehen und so einordnen, dass sich alles zu einer dynamischen Raumharmonie zusammenfügt. Flüchtige Farbverläufe und Schraffuren erinnern an das Ringen um ein Mit- und Nebeneinander.

Häufig bildet Architektur oder die Vorstellung von räumlicher Anordnung und Ästhetik den Ausgangs- und Endpunkt der Werke von Silke Bartsch. So sind Farbüberlagerungen und das Auffächern von utopischen Räumen, in denen sich organisch Anmutendes einfinden durfte, auch für ihre Papierarbeiten charakteristisch.

In ihren Linolgravuren zeichnet die studierte Architektin und Bildende Künstlerin mit feiner Geste in den dunklen Raum, tastet mit vorsichtiger Linienführung die räumlichen Dimensionen ab und hinterlässt leise leuchtend ihre Spuren im Unendlichen.

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Vita:

Silke Bartsch lebt als freie Bildende Künstlerin und Dozentin für Ästhetische Bildung in Berlin. Darüber hinaus bietet sie in ihrem Atelier in den Gerichtshöfen kunstanaloges Coaching an.

Studium der Architektur an der Universität Hannover, Studium der Visuellen Kommunikation an der Fachhochschule Düsseldorf, Studium der Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf, Studium Kunst im Kontext an der Universität der Künste und Kontaktstudium Kunstanaloges Coaching an der MSH Hamburg.

Die Werke von Silke Bartsch werden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland präsentiert und sind in folgenden Kunstsammlungen vertreten: Sammlung Gehag Forum – Deutsche Wohnen (Berlin), Enter Art Foundation (Berlin), Graphothek Kunstamt Reinickendorf (Berlin) und verschiedenen Privatsammlungen.

Text: Gunhild Flöter

Interview mit der Malerin Silke Bartsch, Berlin

Silke Bartsch ist 1963 in Osnabrück geboren. Sie hat in Hannover mit dem Studium der Architektur begonnen und ist dann zur Visuellen Kommunikation mit Schwerpunkt Malerei an die Fachhochschule Düsseldorf gewechselt, wo sie mit dem Diplom abgeschlossen hat. Nach einem weiteren Jahr Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf hat sie am Institut für Kunst im Kontext an der UdK in Berlin studiert. Sie unterrichtet seit 2010 an den Lazarus Schulen und ist Mitglied im Verein Berliner Künstler. Silke Bartsch hat zahlreiche Einzel-und Gruppenausstellungen deutschlandweit bestritten. Sie lebt und arbeitet seit 1996 in Berlin.

Wie würden Sie Ihre künstlerische Arbeit beschreiben?

Ich bin Malerin mit Leidenschaft. Ich arbeitete klassisch mit Acryl und Öl auf großformatigen Leinwänden, zu meinen Techniken gehören jedoch auch das experimentelle Drucken, Polieren, Kleben und Kratzen. Für meine Drucke und Collagen verwende ich gerne Fundmaterialien und Materialien aus dem Baumarkt wie Tapete, Linoleum, Capaplex, PVC und Folien. Restschnitte nutze ich als Druckplatten und Schablonen . Hinzu kommen Installationen, in denen Wandbilder in den Raum übergehen oder mit Objekten erweitert werden.

Gibt es so etwas wie eine Kategorisierung für Ihre Malerei?

Meine Bilder sind utopische Architekturen; es sind Orte und Nicht-Orte zugleich. Sie sind im Grenzbereich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion angesiedelt. Ich arbeite in Serien, wobei jede Serie in einer ganz eigenen Technik, Farbigkeit und Größe erscheint. Die Auseinandersetzung mit Raum und Gestalt führt zu irritierenden, ganz eigenen Umrissen, deren Existenz ausschließlich aus der Form besteht, einer Mischung aus existierenden und von mir erfundenen Formen.

Womit beschäftigen Sie sich aktuell in Ihrer Arbeit?

Z.Zt. beschäftige ich mit der „Zusammenführung“ der Linolgravuren und Malerei, das bedeutet konkret, mich ein wenig von den ausschliesslich formal strengen Arbeiten zu entfernen; hin zur Verknüpfung von „Organischem“ und „Architektonischem“.  Das klingt zunächst formalistisch, hat aber durchaus Bild inhaltiche Konsequenzen. Für mich geschieht hier eine Verknüpfung, machmal eine Verschlingung von Natur/ Organischem und Architektur im weitesten Sinn.

Urbanes Leben kommt nicht ohne die Natur aus- aktuelle Trends unterfüttern das – die Sehnsucht der Menschen danach ist groß.

Wie entsteht der Impuls, dass Sie ein bestimmtes Thema künstlerisch bearbeiten möchten?

Meist kommen die Impulse eher spontan, bzw. häufig auch durch bestimmte Materialien oder auch Themen, die an mich herangetragen werden, die eine künstlerische Bearbeitung zur Folge haben. Z.B. bin ich durch eine Schenkung von unterschiedlichen Linolplatten auf dieses Material genauer aufmerksam geworden. Häufig bearbeite ich Themen, die aus unserem reichhaltigen, lebendigen und teilweise chaotischen urbanen Kontext hervorgehen; das können winzige Details sein, die von anderen übersehen werden, aber genau das ist beinhaltet meine künstlerische Arbeit, das Sichtbarmachen von noch so kleinen Momenten, Details und Herkömmlichem.

Wie sieht ein Ateliertag für Sie aus?

Ankommen, Kaffee kochen, schauen, malen, umhängen, malen, soziale netzwerke pflegen, malen. Es hängt sehr davon ab, wieviel Zeit ich zur Verfügung habe, aber grundsätzlich verbringe ich natürlich auch Zeit im Atelier, indem ich einfach dasitze und Bilder auf mich wirken lasse. Dadurch üperprüfe ich immer wieder neu, ob ein Bild fertig ist und Bestand hat oder ob der Malprozess fortgesetzt wird.

Silke Bartsch

 

The Outside Is Your Construction – Marius Damrow

Text zur Ausstellung „The Outside Is Your Construction“ von Marius Damrow (art.salon), 2024

Scharfe Linien und leuchtende Farben geben der Aura von Orten und Räumen ihre Form: In ihren Gemälden verbindet die Künstlerin Silke Bartsch Elemente von Gebäuden, Interieurs und Landschaften zu neuartigen, unmöglichen räumlichen Umgebungen. Aus klaren Gegensätzen formt sie ein harmonisches Ganzes, wobei die einzelnen Fragmente erkennbar bleiben. Ihre Bilder zerlegen die Realität und erinnern an Collagen und geometrische Kompositionen…

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