GEHAG Forum – Helen Adkins

GEHAG Forum – Ausstellung 2019

Silke Bartsch, Peter Torp, Teresa Wiesehöfer, Ireen Zielonka

Aus der Eröffungsrede © 2019 Dr. Helen Adkins, Berlin

Silke Bartsch ist 1963 in Osnabrück geboren. Sie hat in Hannover mit dem Studium der Architektur begonnen und ist dann zur Visuellen Kommunikation mit Schwerpunkt Malerei an die Fachhochschule Düsseldorf gewechselt, wo sie mit dem Diplom abgeschlossen hat. Nach einem weiteren Jahr Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf hat sie am Institut für Kunst im Kontext an der UdK in Berlin studiert. Sie unterrichtet seit 2010 an den Lazarus Schulen und ist Mitglied im Verein Berliner KünstlerInnen. Silke Bartsch hat zahlreiche Einzel-und Gruppenausstellungen deutschlandweit bestritten. Sie lebt und arbeitet seit 1996 in Berlin.

Silke Bartsch ist Malerin mit Leidenschaft. Sie arbeitet zwar klassisch mit Acryl und Öl auf großformatigen Leinwänden, zu ihren Techniken gehört jedoch auch das Drucken, Polieren, Kleben und Kratzen. Für ihre Drucke und Collagen verwendet sie gerne Materialien aus dem Baumarkt wie Tapete, Linoleum, Capaplex, PVC und Folien. Restschnitte werden als Druckplatten und Schablonen benutzt. Hinzu kommen Installationen in denen Wandbilder in den Raum übergehen oder mit Objekten erweitert werden. Zu ihren farbintensiven Malereien schreibt sie: „Meine Bilder sind utopische Architekturen; es sind Orte und Nicht-Orte zugleich, die um den Begriff des Bildes kreisen. Sie sind im Grenzbereich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion angesiedelt.“ Die Künstlerin arbeitet in Serien, wobei jede Serie in einer ganz eigenen Technik, Farbigkeit und Größe erscheint. Die Auseinandersetzung mit Raum und Gestalt führt zu irritierenden, ganz eigenen Umrissen, deren Existenz ausschließlich aus der Form besteht.

Das GEHAG Forum zeigt Out of the Dark (Aus der Finsternis), eine neue Serie von poetischen Arbeiten auf Linoleum. Ausgeschnittene Linolflächen werden auf

dem Boden verarbeitet und in Kunst verwandelt. Anstatt das Linoleum als Druckplatte zu benutzen, wird es selbst von Schaumstoffplatten mit Linoldruckfarbe, Pigmenten, Acryl und Wachs bedruckt, beziehungsweise nachgearbeitet. Der Farbton ist vornehmlich dunkelblau mit weißen und rötlichen Durchsichten und Höhungen. Dabei entstehen sehr malerische und dramatische Flächen aber auch, bei magerem Druck, abstraktere, nüchterne Bildräume. Dieser Hintergrund kann – sumpfig, organisch, mystisch – eine große räumliche Tiefe haben, kann aber ebenso flächig und matt wie die Putzfläche einer Mauer aussehen. Die anschließend mittels Linolschnittmesser eingekerbten kraftvollen Ritzungen sind wie Spuren des Bewusstseins auf einer unbewussten Grundlage, verzweigte Wege, die aus dem Nichts entstehen und ins Nichts wieder enden. Es sind eigenwillige abstrakte Formen, die der Betrachter gerne als altägyptische Barke, Urpflanze oder Fabelwesen interpretiert, beziehungsweise scheinbar gewebte Strukturen von Gitterstäben, die den Gedanken an Schutz aber auch an Gefangenschaft hervorrufen.

Es ist kein Mensch zu sehen, er ist dennoch omnipräsent. Vielleicht spüren die Arbeiten der Serie Aus der Finsternis die Entstehung des menschlichen Daseins aus der Dunkelheit nach.